In der Kunsttherapie wird hauptsächlich mit Medien der bildenden Kunst gearbeitet. Dazu zählen malerische oder zeichnerische Medien, plastisch-skulpturale Gestaltungen oder auch fotografische Medien. Durch sie können unter therapeutischer Begleitung innere und äußere Bilder ausgedrückt, kreative Fähigkeiten entwickelt und sinnliche Wahrnehmung ausgebildet werden.

Die kunsttherapeutische Praxis und Theoriebildung ist mit unterschiedlichen Disziplinen wie z. B. der Kunstwissenschaft, der Psychologie und der Pädagogik verbunden. In den letzten Jahrzehnten haben sich daraus verschiedene Formen und Ansätze der Kunsttherapie entwickelt. Diese haben sich in klinischen, pädagogischen oder sozialen Praxisfeldern etabliert. Besondere Bedeutung hat die Kunsttherapie dabei in der psychiatrischen, psychosomatischen und psychosozialen Therapiepraxis gewonnen.

Kunsttherapie lässt das Unbewusste sich lösen und befreien durch das Mittel des spontanen Ausdrucks. Ihre Vorteile dabei sind:

  • Malen und Tonen erlauben leichter als Sprache einen direkten Ausdruck von Träumen, Phantasien und anderen inneren Erfahrungen, die eher als Bilder denn als Worte auftauchen.
  • Ins Bild gebrachte Projektionen entkommen der inneren Zensur wesentlich leichter als verbal geäußerte, so dass der therapeutische Prozess beschleunigt wird.
  • Die Autonomie des Malenden wird gefördert. Er lernt mehr und mehr, mit seinen eigenen Bildern umzugehen und sie für seine Heilung und Entwicklung einzusetzen.

Oft entdecken die Malenden in ihren Bildern eine Kraft, Stärke und Lebendigkeit, die sie bisher an sich nicht wahrgenommen haben. Dies stärkt ihr Selbstvertrauen und ihren Glauben daran, ihre Probleme selbst lösen zu können.
Kommunikationsmöglichkeiten werden erweitert und vertieft. Der Zugang zu sich und den anderen über das Wort ist oft versperrt. In die Bildsprache aber gleitet das Unbewusste ohne Mühe, fördert Erkennen, gibt Ermutigung und Bereicherung.

Ungelöste Konflikte werden in der Regel von Konzentrationsstörungen begleitet. Der Gestaltungsvorgang jedoch nimmt sehr schnell gefangen und bindet die Aufmerksamkeit. Der Gestaltende vergisst alles um sich herum und ist vollkommen versunken, vollkommen konzentriert. In diesen Augenblicken der Versunkenheit ist die Seele befreit von der Fessel ihrer sonstigen Konflikte und Ängste, was große Freude und Glücksgefühle gewährt. So lassen sich „Inseln des Glücks“ schaffen, an die sich ihr Schöpfer zunehmend erinnert und die er, unabhängig von anderen Menschen wieder betreten kann.