„… bei uns ist der Gesang die erste Stufe der Bildung, alles andere schließt sich an [...] Deshalb haben wir denn unter allem Denkbaren die Musik zum Element unserer Erziehung gewählt, denn von ihr laufen gleichgebahnte Wege nach allen Seiten ...“
(Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre)

Den meisten Menschen bereitet Musik und Gesang Freude: jeder kann singen und musizieren, sich dazu bewegen und tanzen. Dabei erlebt sich ein jeder Mensch ganz und erübt – durch Melodie, Rhythmus und Harmonie – Geschick und Feingefühl.

Durch gezielten Einsatz von Musik und Gesang wird pädagogisch-therapeutische Wirkung erzielt. Musiktherapie dient der Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung seelischer, körperlicher und geistiger Gesundheit.

Die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft sieht Musiktherapie als eine praxisorientierte Wissenschaftsdisziplin, die u.a. in enger Wechselwirkung mit Pädagogik, Psychologie und Medizin steht. Musiktherapeutische Methoden folgen gleichberechtigt tiefenpsychologischen, verhaltenstherapeutisch-lerntheoretischen, systemischen, anthroposophischen und ganzheitlich-humanistischen Ansätzen. Therapien finden Einzeln oder in Gruppen statt.

Wir bieten zwei Richtungen der Musiktherapie: In der aktiven Musiktherapie wird zum Musizieren motiviert und animiert – man darf auf Instrumenten spielen; von solchen, die jeder sofort handhaben kann, bis zu anspruchsvollen, die regelmäßiges Üben verlangen. In der rezeptiven Musiktherapie wird therapeutische Wirkung durch das Hören von Musik erzielt.

  • Aktive Musiktherapie

Hier ist der Klient bzw. Patient durch spielen am Instrument aktiv beteiligt. Die Musikinstrumente, mit denen der betreffende Mensch musikalisch (meist) improvisiert, geben ihm neben der sprachlichen und nichtsprachlichen eine weitere, nämlich musikalische Möglichkeit des Ausdrucks. Die Auswahl des Instruments bzw. der Instrumente wird auf die konkrete Therapiesituation abgestimmt, d.h. sie steht im engen Zusammenhang zu aktuellen Themen/der Situation des Menschen. Eine musikalische bzw. instrumentale Vorbildung ist nicht nötig, da die musiktherapeutische Musik keinerlei Ansprüche an Fähigkeiten oder Virtuosität stellt.

  • Rezeptive Musiktherapie

Hier nutzt man die Tatsache, dass Musikhören die Selbstbeobachtung (Introspektion) und die Eigenwahrnehmung erhöhen kann. Biographisch bedeutsame Musik wird verwendet, um Ressourcen zu aktivieren. Die Wirkung der Musik wird dabei sehr von der Musikvorliebe beeinflusst – bedingt durch Situation, Alter, Sozialstatus und Hörgewohnheiten.
Die Musik wird entweder vom Therapeuten gespielt oder von Medien abgespielt, d.h. ohne Einfluss auf die musikalische Gestalt. Die Musik kann in der Therapiesitzung einerseits von technischen Geräten abgespielt werden. Eine andere Möglichkeit stellt das Spiel des Therapeuten dar. Dabei nimmt der Klient oder Patient an den Stimmungen und Gefühlen des Therapeuten teil. Wichtige Anwendungsfelder sind u.a. die Arbeit mit Frühgeborenen, Innere Medizin, der geriatrische Bereich, komatöse Patienten und Sterbebegleitung.